Damit Sie sich unter meiner Arbeitsweise eine Vorstellung machen können, möchte ich Ihnen hier kurz meine Schwerpunkte erklären:

Tiefenspychologische Orientierung

Eine tiefenpsychologisch orientierte Arbeitsweise wende ich ausschließlich bei einer Therapie an; nicht bei einer Beratung. Im Vordergrund stehen das Zuhören und Reflektieren.

Bei einer Therapie gebe ich Ihnen den vertrauensvollen Raum sich selbst zu erfahren und verdrängte Anteile Ihres Selbst wieder zu entdecken.

In meiner Praxis liegen Sie nicht auf der "berühmten Couch", sondern wir sitzen uns als gleichberechtigte Partner gegenüber.

Die Vergangenheit und das Unterbewusste spielen eine große Rolle bei dieser Therapieform. Wie wirken sich biografische Einflüsse auf heutiges Verhalten aus?. Gibt es Verknüpfungen oder sogar Parallelen zwischen problematischen Themen in der Gegenwart und der Vergangenheit? Welcher Abwehrmechanismen bedient sich das  Unterbewusstsein um schmerzliche Erfahrungen verarbeiten zu können?

Eine Therapie ist eine bewegende und erhellende Erfahrung, die neue Aspekte und Perspektiven in Ihr Leben bringt.

Ist Tiefenpsychologie und Psychoanalyse das Gleiche?

Die beiden Begriffe werden oft gleichbedeutend benutzt, da sie auf einen gemeinsamen theoretischen Hintergrund zugreifen. Die Tiefenpsychologie hat ihre Wurzeln in der Psychoanalyse von Freud. In der Praxis unterschieden sich die beiden Therapieformen aber in der Länge ihrer Behandlung, in ihrer therapeutischen Arbeitsweise sowie den Zielen, die man durch die Therapie erreichen möchte.

Grundbegriffe der Tiefenpsychologie

An dieser Stelle möchte ich kurz einige wenige Grundbegriffe vorstellen. Es ist bewusst kurz gehalten, da das Thema sehr umfangreich ist. Die meisten Begriffe werden Sie bestimmt schon gehört haben.

Das Unbewusste

Das Unbewusste spielt eine Zentrale Rolle in der Therapie. Sigmund Freud hat diesen Begriff geprägt, und viele Therapeuten haben ihn danach aufgegriffen und modifiziert.

Carl Gustav Jung zum Beispiel fügte dem persönlichem Unbewussten noch das kollektive Unbewusste hinzu.

Auf das Unbewusste haben wir keinen direkten Zugriff: In ihm ist alles gespeichert was wir je erlebt, gefühlt und gedacht haben. Es kennt jedes Problem und ist somit auch ein Schlüssel für unsere Blockaden.

Das Vorbewusste

Das Vorbewusste enthält Erinnerungen und Gefühle, die zwar nicht ständig bewusst, aber jederzeit abrufbar sind. Diese Anteile sind aus dem aktuellen Bewusstsein zurückgetreten, um das Alltagsgedächtnis zu entlasten.

Das Bewusste

Im Bewussten enthalten sind Gedanken, Erinnerungen, Emotionen und Wahrnehmungen deren wir gewahr sind.

ES, Ich und Über-Ich (Das Strukturmodell)

Diese drei Begriffe hat wahrscheinlich schon jeder gehört. Laut Freud trägt jeder Mensch diese drei Strukturen in sich. Ihr Zusammenspiel regeln das individuelle Verhalten.

Das ES sind unseren biologischen und animalischen Triebe, die im Unbewussten liegen. Dem Lust-Prinzip folgend suchen sie ständig nach Befriedigung.

Das Über-Ich ist die Gewissens-Instanz. Es wird in der Kindheit, durch die elterlichen Gebote und Verbote, entwickelt. In ihm liegen die ethischen und moralischen Wertvorstellungen der Gesellschaft. Manche Wertvorstellungen, die in der Kindheit übernommen wurden, sind bewusst, andere liegen im Unbewussten.

Das Ich ist die Entscheidungs-Instanz. Manchmal wir es auch als Schiedsrichter zwischen den beiden anderen Instanzen bezeichnet. Dem Realitätsprinzip folgend muss es Kompromisse schließen zwischen den triebhaften, emotionalen Ansprüchen des ES und den Einschränkungen des Über-Ichs.

Die Abwehrmechanismen

Die Abwehrmechanismen sind Werkzeuge des Ich um den Konflikten zwischen dem ES und dem Über-Ich zu begegnen und somit der ständigen Problembewältigung zu entgehen. Jeder von uns verwendet sie, meist unbewusst. Sie schützen uns vor Dingen die unsere Psyche nicht verarbeiten kann, stehen uns aber leider auch manchmal im Weg.

Verdrängung

Die Verdrängung ist der wichtigste Abwehrmechanismus. Schmerzhafte Erfahrungen werden ins Unterbewusstsein verdrängt. Dort bleiben sie bestehen und können unter Umständen, in veränderter Form, wieder hoch brechen. Zum Beispiel in einem Traum oder als körperliches Symptom. Diese Unterdrückung beansprucht viel mentale Energie.

Zum Beispiel wenn ein Erwachsener fest behauptet eine unbeschwerte Kindheit gehabt zu haben, obwohl er viel geschlagen und alleine gelassen wurde.

Projektion

Eigene abgelehnte Impulse werden auf andere Personen projiziert und dann thematisiert. Die eigene Ängste, Schuldgefühle usw. werden anderen Menschen zugeschrieben.

Zum Beispiel wenn sich ein rüpelhafter Autofahrer über den unmöglichen Fahrstiel anderer Autofahrer aufregt.

Regression

Bei einer Regression weicht der Mensch in früherer Entwicklungsstufen zurück z.B. wenn er Angst hat oder sich überfordert fühlt. Es ist auch ein Weg um Aufmerksamkeit zu erhalten, indem man sich hilflos oder ungeschickt gibt um die Fürsorge Anderer zu bekommen.

Übertragung und Gegenübertragung

Die Übertragung

Positive oder negative Gefühle, Erwartungen oder Wünsche des Klienten gegenüber dem Therapeuten, die in der realen Situation unangemessen sind. Diese Gefühle stammen aus der Kindheit und drücken die Gefühle gegenüber den Eltern oder andern Bezugspersonen aus. Zum Beispiel ist der Klient ärgerlich auf den Therapeuten, weil er ihm seine Fragen nicht beantwortet. Damit meint er aber eigentlich seinen Vater, der seinem Kind viele Antworten schuldig geblieben ist. Der Klient wirft dem Therapeuten vor was er von seinem Vater nie bekommen hat.

Die Gegenübertragung

Hierbei reagiert der Therapeut mit positiven oder negativen Gefühlen, Erwartungen oder Wünschen auf den Klienten. Dies kann zwei Ursachen haben. Zum Einem kann es aus der Übertragung des Klienten stammen und zum Anderen weil bei dem Therapeuten ein eigenes Thema hoch gekommen ist. In beiden Fällen ist es wichtig, dass der Therapeut bemerkt, dass seine Gefühle eine Gegenübertragung sind. Nehmen wir an, der Therapuet verspürt Ärger. Dann muss er erkennen, ob er den Ärger des Klienten aufgeschnappt hat oder die Situation ihn an seine eigene Lebensgeschichte erinnert. Um nicht in die Falle der Gegenübertragung zu tappen, benötigt der Therapeut eine gute Selbsterfahrung.

Wenn man die Übertragung als Widerhall früherer Beziehungen ansieht ist die Gegenübertragung das Echo. Übertragungen und Gegenübertragungen sind überall dort allgegenwärtig wo Menschen miteinander zu tun haben.

 


 

Quelle:
Kriz; Grundkonzepte der Psychotherapie
Hough; Counselling Skills and Theory

 


 

 

Praxis für lösungsorientierte Beratung und Therapie Stuttgart, Petra Rupp
Psychologische Beratung und Coaching

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